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Elsa Schiaparelli PDF


Es ist alles nur Kitsch, Eisenkram, Tand, Eitelkeit!«, beschrieb Elsa Schiaparelli ihre eigenen Entwürfe — aber was für genialer Kitsch und Tand! Im Jahr 1890 als Kind adliger Eltern in Rom geboren, krempelte sie die Modewelt um, indem sie Hüte aus Schuhen und Handtaschen aus Vogelkäfigen kreierte. Sie konnte weder nähen noch Entwürfe zeichnen, verstand es aber einzigartig, ihre Visionen in Kultobjekte umsetzen zu lassen.

Der Eintritt in die französi­sche Modewelt gelang ihr im Jahr 1927 durch einen Pull­over im Trompe-l'oeil-Stil mit einer wirkungsvoll aufgemalten weißen Schleife ä la Fritz the Cat. Ihre erste, von einem ganzen Heer armenischer Strickerin­nen handgefertigte Kollektion wurde aufgrund „- einer Fülle absurd-fantasievoller Gestaltungsi­deen sofort ein voller Erfolg. Auch Schiaparellis Taschenentwürfe waren ausgefallen, wahrten jedoch stets einen Sinn für das Funktionale. Für den Tag konzipierte sie ihre Doppeldecker-Tasche mit zwei übereinander liegenden Fächern, für den Abend entwarf sie ein Täschchen aus Gold- und Silber-Laure, das man wie eine Schaffnertasche um die Schulter hängte. Die mit einem Zeitungsbericht (über sie selbst!) bedruckte Baumwolltasche war ihre erste Auftragsarbeit und sah von wei­tem aus wie eine zusammengelegte Ausgabe von Le Monde.


Wie ihre Zeitgenossin Diana Vreeland war auch Schiaparelli eine barocke Modernistin, die sich neuen Materialien und modernen For­men öffnete — den Glanz der Vergangenheit vor Augen Inspiriert von befreundeten Surrealisten wie Salvador 1&4"048& Dali. Er unterstützte sie 1938 bei

der Konzeption einer elektrisch beleuchteten Handtasche, die inen mit goldgeprägten Handzeichungen des Künstlers versehen war und deren Spiegel von Glühbirnen beleuch­tet wurde. Wohlhabende Damen bewiesen mit Schiaparellis Taschen –funktional und avantgardistisch zugleich – modisches Bewusstsein.


»In dieser Zeit sprach alle Welt von Dadais­mus und Futurismus«, erklärte die Designerin, »und nicht nur, wenn es um Gemälde oder Ge­dichte ging.« In dieser bewegten Zeit gewann

sie die namhaftesten Künstler für die Umsetzung ihrer Ideen. Jean Cocteau zeichnete Nymphen für ihre Abend­roben, Jean Clement schuf ihre Modelle aus bon­bonfarbenem Plastik, der Designer Roger Model schneiderte ihre Ledertaschen, und der Stickerei-Künstler Albert Lesage übersetzte ihre allegorischen Visionen in zarte Insektenflügel, zerbrechliche Blüten und Muster aus Goldfäden. Die surrealistische For­mensprache machte die Handtasche auch zum Vehikel für pikante erotische Andeutungen. So kreierte Schiaparelli eine Kunststoff-Abendtasche in Gestalt einer (auf-)reizend geformten Muschel oder eine Musikbox-Tasche, die beim Öffnen eine Melodie spielte.

Auf dem Höhepunkt ihrer Schaffensphase in den späten 1930ern entwickelte die Künstlerin vier außergewöhnliche Kollektionen: Die Zirkus-Serie umfasste unter anderem Zirkuspferde und Akrobaten; eine zweite, von Boticelli inspirierte Kollektion zeigte Figuren aus der Mythologie, die üppige Blumengebinde trugen. Bei der dritten Serie griff Schiaparelli mit der symbolischen Darstellung der Tierkreiszeichen buchstäblich »nach den Sternen« Die letzte Kollektion, die kurz vor der Besetzung Frankreichs vorgestellt wurde, orientierte sich mit ihrem Satin-Patchwork, den leuchtenden italienischen Farben und den so genannten Harlekin-Modelreihen in Blau und Rosa an Elementen der Commedia dell'Arte.


Angesichts des nahenden Krieges nahm manch einer Schiaparelli diese clowneske Gestaltungssprache übel, aber der Designerin schien Humor als die beste Waffe gegen Diktatoren und schlechten Geschmack.

Während des Krieges passte sie sich den Gegebenheiten an: Sie entwarf originelle Blusen und Taschen, die mit Essensmarken bedruckt waren, tragbares Besteck in einer Handtasche und Täsch­ chen, die sich um Taille oder Handgelenk schmiegten. In ihren Augen sollte eine Frau auch unter schwierigen Umständen nie­mals der Würde beraubt werden, über eine eigene Handtasche zu verfügen – sei es auch nur eine aus Segeltuch und Stroh gefertigte Notlösung, auf die auch Schiaparelli zu der Zeit zurückgreifen musste.


Internationale Patente, Design-Aufträge für Hollywood und die enge Zusammenarbeit mit großen amerikanischen Kaufhäusern blieben nicht ohne Einfluss auf ihren Stil. Ihre experimentellen Kollektionen der 1950er wichen nun eher angepassten und vernunftbetonten Modellen, so

dass sie bald für ihre Parfums berühmter war als für ihre Taschen. 1954 schloss sie ihr Atelier in Paris. In ihren Memoiren beschrieb sie wehmütig die Wandlung von der Couture-Tasche zur Handelsware. »Künstler hatten damals einen weitaus größeren Anteil an den Modeentwürfen

als heute. Es ging damals nicht nur um pure Marktinteressen wie heute, wo nur noch die Fantasielosigkeit regiert.«

Schiaparellis Entwürfe waren so radikal, weil sie voll Kommen anders und zugleich funktional waren. Ihre bizarren Kombinationen von Modernem und Antikem, die Übertragung von Formen aus völlig anderen Bereichen und ihre typischen Modelle mit Taillen, Schleifen und Rosendekor ebneten den Weg für spätere Taschenmodelle, die ebenfalls Gegenständen nachempfunden waren. Doch auch wenn die Designer der 1980er Jahre unter dem Einfluss des Surrealismus hemmungslos von ihr abkupferten, wurde ihre Originalität nie wieder erreicht. Warum nur schön sein, schienen Schiaparellis Modelle zu fragen, wenn ich auch schockieren kann?

 
Bonnie Cashin PDF


Bonnie Cashin teilte mit Thomas Edison dieselbe Überzeugung: Was praktisch ist, ist auch schön. Dieser Design-Ästhetik folgten die Entwürfe, die sie von 1962 bis 1972 für das Atelier Coach machte. Durch die Kombination von leuchtenden Farben, Robustheit und Funktionalität waren ihre Modelle für die Reise ebenso geeignet wie fürs Büro oder den stilvollen Einkaufsbummel.

Fasziniert von der Welt des Tanzes und den zarten Seiden­stoffen in der Kostümschneiderei ihrer Mutter, entwickelte Cashin von klein auf eine Vorliebe für anschmiegsame Textilien. In den 1930er Jahren zunächst Garderobiere von Broadway-Tänzerin­nen, entwarf sie in den 1940ern Kostüme für die Filmgesell­schaft 20th Century Fox. Sie selbst trug nur Jacken im minimalistischen Mao-Stil und schlichte Ledertaschen. Damit prägte sie den Look der amerikanischen Sportmode.

Cashin folgte ständig neuen Inspirationen: Sie nähte Mänteln Taschen in Form von Geldbörsen auf, sammelte in Asien Ko taschen, kombinierte Tweed-Stoffe mit Leder und benutzte die Knebel des Stoffverdecks von ihrem Cabriolet als Ver­schlüsse für ihren Poncho.

Bereits 1954 wagte sich die Designerin an aus­gefallene Kreationen und kombinierte pink- und

türkisfarbenes Leder mit bunt gemusterter Baumwolle oder Jeansstoff mit Schantungseide. Als Miles und Lillian Cahn sie in den frühen 1960er Jahren für ihr neu gegründetes Atelier Coach gewannen, brachte sie neben Taschenentwürfen auch ein persönliches Motto mit: »Gestalte die Dinge so leichtgewichtig, so einfach, so flexibel und so kostengünstig wie möglich.«

Cashins erster Entwurf für Coach war eine Kreuzung zwi­schen Kängurubeutel und überdimensionaler Manteltasche. Auf der Vorderseite der Cashin Carry war eine Geldbörse integ­riert. Es folgten in verschiedenen Größen Einkaufstaschen aus Leder. Nach dem Vorbild der Papiertüten, die Cashin zum Transport ihrer Arbeitsmaterialien benutz­te, beendeten diese Taschen die Auffassung, eine Frau benötige nur Bargeld, Lippenstift und ein Taschentuch. Die Designerin bekannte sich dazu, stets allerlei »Zeug« mit sich herumzuschleppen. Häufig balancierte sie drei Taschen auf einmal elegant an einem Arm oder verstaute mehrere Taschen ineinander – und antizipierte damit heutige Modetrends. Für die klassische schwarze Kroko­dilleder-Tasche empfand sie nur Verachtung. So kreierte sie nach ihrer Indienreise im Jahre 1956 ihren ganz persönlichen Pink-Ton, den das Atelier Coach mit eigenwilligen Eis-Farben kombinierte. Ihrem Lieblingsmate­rial, gestreiftem Madrasgewebe, fügte Cashin poppige Details hinzu. »Ich würde das Wort >zusammenpassen< am liebsten ganz streichen«, erklärte sie. Giftiges Senfgelb, abgesetzt mit Pink, olivgrüner Tweed mit lirnettengrüner Borte' und kombinierte Braun-Rot-Töne waren ihre Ant­wort auf langweilig-konventionelle Entwürfe.


Cashins Taschen sind auf den Lebensstil aktiver Frauen zugeschnitten: Sei es die geräumige Einkaufstasche, der flexible Beutel, der lässig auf dem Rücksitz landet, oder die ungewöhnliche,

sechseckige Box fürs Büro. Immer wieder war es die Verbindung von Form und Funktion, die Cashin faszinierte.

So setzte sie leicht zugängliche Außentaschen an die Seiten ihrer Hero-Lunch-Box, versah die Vorderseite schmaler Abendtaschen mit Geldbörsen und stattete ihre Schultertaschen mit breiten Trageriemen aus, die nicht ein­schnitten. In den späten 1960ern kamen zahlreiche Billigimitationen ihrer Entwürfe auf den Markt, die eine ganze Frauengeneration in den von pompösem Dekor befreiten Design-Stil der 1970er Jahre begleiteten. In dieser vom Feminismus geprägten Zeit stell­ten die von Cashin entworfenen Modelle dem Protz entsagende Statussymbole dar, die gleichzeitig nützlich und stilvoll waren. Als ihre Schultertasche aus dem Jahr 1970 für eine Retrospektive in New York im Jahr 2000 neu aufgelegt wurde, hatte sie noch immer nichts von ihrer revolutionären Aussagekraft verloren – Cocktailtäschchen und peniblen Häckchen trotzend. Kombiniert mit Original-Handschuhen aus den 1960ern und einer zeitgenössischen Geldbörse war diese Tasche immer noch aktuell.

 
Jamin Puech PDF


Von ihrem siebten bis zu ihrem neunzehnten Lebensjahr lebte Isabelle Puech während einer Weltumsegelung mit ihren Eltern auf einem Boot. Vielleicht sind ihre Handtaschen deshalb mit verblassten Postkartenmotiven, gestickten exotischen Blätterranken und einer reichen Palette an gedämpften tropischen Farben verziert. Gemeinsam mit ihrem Mann, Benoit Jamin, kreiert sie Taschen voller Nostalgie, Sinnlichkeit und Abenteuerlust. die einer Ära zu entstammen scheinen, in der es noch keine Flugreisen gab: Ledertaschen mit einer Patina, die von Dampflokomotiven zu erzählen scheint, und Abendtaschen, die auf Ozeanriesen vorgeführt wurden. Wer außer Jamin Puech

würde einer Handtaschenkollektion den Namen » Reiseabenteuer eines tätowierten Matrosen« geben?

Ihr Pariser Atelier hat nichts mit dem Entwicklungsla­bor eines großen Modekonzerns zu tun, sondern stellt eine Mischung aus Gauguins Künstler-Atelier und einem Hutladen der Belle Epoque dar. Hier lagern Bast aus Madagaskar, Kokos­Knöpfe aus Polynesien,

Seide aus Vietnam und antike Litze aus Lyon. Die beiden möchten sich für jedes Modell ihren individuell-kreativen Stil bewahren. Die Strick-, Web- und Perlenstickereiarbeiten lässt das Duo von kleinen Handwerksbetrieben ausführen. Mit nicht mehr als 50.000 Taschen pro Jahr ist die Produktion vergleichsweise eher bescheiden, aber dennoch weit entfernt von der ersten


Kollektion, die am Küchentisch eines kleine Appartements entstand.

Nach dem Modedesign-Studium hatten sie sich dem Handtaschendesign zugewandt

„Anfangs wollten wir die Materialien und Techniken der Kleidermode auf das Taschendesign übertragen", erklärt Isabelle. Ihre erste Kollektion bestand aus gesteppten Abendtaschen aus Boudouir Satin, z. T. im Look von Puderquasten. Diese Modelle bildeten einen willkommenen Gegenpol zu den kleinen rechteckigen Rucksäcken und den betont schlichten Ledermappen der späten 1980er.

Die folgenden Kollektionen experimentierten mit Strohgewebe, Plastik, bronzebeschlagenem Leder und handbemaltem Stoff. Zum Kult wurden jedoch die bestickten und mit Perlen besetzten Modelle. Schlichte quadratische Handtaschen und rechteckige, seidengefütterte Abendtäschchen

versah das Paar mit schillernden Pailletten, großzügigen Stickmustern, Patchwork und Borten in gedämpften Farben. Die Kombination von traditioneller Handarbeit mit einer geschmackvoll-dezenten Farbgebung begeisterte die Frauen, die nach den aggressiven Logos der 1980er nach einem weniger schrillen Taschenimage verlangten.

Models wie Helena Christensen und Kate Moss trugen Jamin-Puech-Taschen, zu modischen Jeans und fließenden Kleidern im Stil der 1930er.


Dieses einfühlsame Design bedeutete die Wiedergeburt sinnlicher Texturen und zierlicher Formen. Mit ihren subtilen Kontrasten zwischen zartem Tüll und kühlem Metallic-Leder, matten Bronze-Nieten und schillernden Pailletten.


sowie zwischen Satin und Pelz waren sie die fantasievolle Alternative zur vernunftbetonten Handtasche der 1990er.

Die Modelle der späteren Saisons waren inspiriert vom Bloomsbury-Stil, Tahiti, Agatha Christies Mord im Orient-Express, Patchwork und dem Wilden Westen. Isabelle und Benoit verstanden es, diese grundverschiedenen Themen durch ihre Farbwahl zu verbinden. Die leuchtenden Farben der

Nabis-Malerei – beißen Mutter-und-Baby-Pailletten-Tasche, 1988 des Gelb mit Taubengrau,

Lila mit Schokoladenbraun, Minzgrün mit Magenta – gelangen ihnen ebenso wie die Farbtöne der reifen, saftigen Früchte eines Bonnard-Stilllebens. Um die Farbkontraste zu perfektio­nieren, waren Vorentwürfe mit Aquarell-Farben notwendig


Jede Kollektion umfaßt 82 Designs in mindestens fünf verschiedenen Farbschemata. »Mit der Farbe Schwarz ist es leicht, keine Fehler zu machen«, sagt Isabelle und fügt stolz hinzu: »Das ist wahrscheinlich der Grund, warum wir sie meiden.«

In den letzten zehn Jahren bewegte sich ihr Stil hin zu klassischeren Formen aus geprägtem Leder mit traditionellen Beschlägen. Aus der schlichten rechteckigen Tasche der frühen Jahre wurden aufwändig geformte Modelle, der typische dünne Lederriemen wurde durch Plastikgriffe und Kettenriemen ersetzt. Satin- und Tüllstoffe wichen exoti­schem Leder, mit Fotomotiven

bedrucktem Baumwollstoff und Strohgewebe. Taschen von Jamin Puech: wie gemacht für die weltoffene Frau, die nicht die Kombination von Schlangenleder und Zeitungs-Druckmotiven scheut und auch tagsüber schillernde Pailletten trägt.

 
Carlos Falchi PDF


Der in Brasilien geborene Carlos Falchi fertigte seine ersten Handtaschen – z Entzücken seiner Tanten – im Alter von sechs Jahren an. Als er 1969 in Maxs

Kansas City, der berühmten Bar in Manhattan, arbeitete, trug er selbstgenäh Patchwork-Hosen aus Schlangenleder – Miles Davis war begeistert. Die Frauen rissen nach der 1974 von ihm entworfenen, knautschig-weichen Duffel Bag aus Büffelleder. 1983 mit dem Coty Award ausgezeichnet wurde, hatte er bereits zahllose Nachahmer.

Lederkanten, Makramee-Knoten und Bonbonfarben sind noch immer die Markenzeichen Falthis. Doch heute bietet der Designer auch klassische Taschen aus Schlangenleder, strassbesetzte Etuis und sportliche Stoff­taschen an, um auch jene anzusprechen, die vor grasgrünem Schlangenleder mit Fransen im Stil der 1960er zurückschrecken.

»Da ich kein Taschenhersteller im herkömmlichen Sinn bin, brach ich mit allen Regeln der Zunft. Ich entwarf einfach Behälter, in denen man Sachen mit sich herumtragen konnte«, so Falchi. Diese »Behälter« sprachen Kunden wie Mick Jagger, Tina Turner und Herbie Hancocks Ehefrau an, die Falchi den Tipp gab, sich mit dem Kaufhaus Bentel's in Verbindung zu setzen. Dort er­schien Falchi mit einem Beutel voller Modelle, doch dem Einkäufer gefiel der kleine, mittelalterlich anmutende Münzbeutel, den der Designer um den Hals trug. Er beauftragte Falchi, mehr davon anzufertigen.

In den 1960ern waren die Taschen sehr steif«, erzählt Falchi. »Ich nahm weiches Leder und färbte es mit einer ausgefallenen Auswahl an Anilin-Farben der Badewanne. In einer Zeit, in der alles nach Freiheit drängte, erfand ich Taschen, man durch die Luft schwingen konnte und die den Sinnen schmeichelten.«

In den späten 1970ern entwarf er Abendtaschen aus Schlangenleder im Metallic Look, halskettengroße Disco-Täschchen in Form von Patronenhül sowie lässige Schultertaschen aus grob geflochtenem Leder. F chis geschmeidige Taschen waren unkomplizierte Begleite und passten perfekt zur Je und Cowboystiefel-Generati Später ließ sich Falchi be Entwurf von Fellbeute von den Irokesen-Frisure der Punks inspirieren und bemalte luxuriöse Mat hallen wie Krokoleder mit grell-gelb fluoreszierenden Streifen. Vor allem der Faltenwurf der Beutel mit Kor­delzug und der Rüschenbesatz seiner Schultertasche aus Leder wurden weltweit kopiert.

Das von ihm selbst geschürte Image des Rebellen hielt Falchi nicht davon ab, im Laufe der 7~

1980er und 1990er weiterhin elegante Abendtaschen zu entwerfen. Seine raffiniert gefaltete Folding BoxBag mit einem Verschluss aus ineinander verschränk ten Lederblüten, war einem florentinischen Münzbeutelnachempfunden. Zu der für Todd Oldham entworfenen, dreifarbigen Harlequin Bag wurde er durch eine Narrenkappe inspiriert. Falchi kehrte seine Taschen buchstäblich von innen nach außen, wodurch so originelle Formen wie die eines Fledermausflügels oder einer Blütenknospe entstanden. Auch 30 Jahre später sind die Taschen des Designers noch anschmiegsam und sexy.......wie schon in den Händen von Höhlenmenschen.......erklärt er und streicht über weiches Kalbsleder.

 
Will Hardy - Willardy PDF


Der Schöpfer der extravagantesten Handtaschen der 1950er Jahre war ein ebenso extravaganter Mann. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hätte Hardys La selbst Elvis Presley vor Neid erblassen lassen: Als Sammler spektakulärer Autos stets hochelegant gekleidet, entwarf er Modelle, die mit glitzerndem Strass und schmuckvoll-filigranen Beschlägen verziert waren. Hardys Plastik Leidenschaft wurde schon im Alter von zwölf Jahren geweckt, als er ein Vogelhäuschen aus Lucite baute.

Als Wilardy,(er veränderte seinen Namen, um ihm einen einprägsameren Klang zu geben) 1948 dem Familienunternehmen seines Vaters beitrat, hatte er die Vision, eine unzerstörbare Handtasche zu kreieren: »In den 1950ern galt Plastik als das Material der Zukunft und diese Prophezeiung hat sich erfüllt.Kunststoffe vergilben, aber Lucite ist absolut farbecht, behält den Glanz und ist stabil.« Von Hand gefertigt, war die Tasche teuer in der Produktion


und im Preis. Das kostspieligste Wilardy­Modell, der Rhinestone Treasure Chest, machte seinem Namen alle Ehre: Für die »Schatztruhe« musste man 1956 75 Dollar bezahlen — mehr als eine Monatsmiete. Be­liebt bei Filmstars, Tänzerinnen und ohttitt(eDesigner,1954 Damen der Gesellschaft, war die Willardy Tasche das Äquivalent zur Cadillac Bag von Dior und wurde nicht einfach getragen, sondern vorgeführt. Ihre betont feminin geformten Griffe, die sich perfekt anschmiegten, machten jedes neue Modell zu einem spektakulären Erfolg. »Ideen für für meine Entwürfe fliegen mir zu. Zukunftsvisionen (Rocket Bag) inspirieren mich ebenso wie Damenmode (Taschen in Hutschachtelform) oder Marilyn Monroes atemberaubende Kurven!«


Der Erfolg der Wilardy-Taschen ging vor allem auf deren geometrische Linien- führung zurück, die ebenso innovativ wie spektakulär war: Ellipsen, Pyramiden, oval gebogene Deckel und Griffe in Lollipop-Form wurden zu ihren Markenzeichen. Die s. gewellten Seiten seiner Lunch-Box-Tasche und die gerundeten Fächer des Modells Concertina fügten sich zusammen wie Puzzleteile.

Als seine schnittige Bonbondosen-Tasche im Jahr 1954 mit de, ersten Preis des International Fashion Institute ausgezeichnet wurde, stellte Wilardy prompt 40 neue Mitarbeiter ein und konnte so täglich über 70 Exemplare herstellen. Ebenso rasant wie sein Vermögen vergrößerte sich auch die Zahl seiner Nachahmer, so dass der junge Designer einen großen Teil der 1950er mit Patentanmeldungen beschäftigt war. Doch die Modelle aus Lucite konnten sich nicht lange im Luxussegment halten. Durch die Erfindung des Spritzgussverfahrens konnten Hartplastik-Taschen preisgünstig hergestellt werden, so dass 1958 Wilardy-Kopien für ein Fünftel des

normalen Preises angeboten wurden, was die anspruchsvolle Kundschaft verscheuchte.


Bis in die 1990er hinein verstaubte Wilardys Design-Erbe in seinem eigenen Haus und auf Flohmärkten – als Kuriosität des Atomzeitalters belächelt. Erst das Wiederaufleben des 1950er-Jahre-Stils und Robert Gottliebs Buch A Certain Style: TheArt of the Plastic Handbag, 1949-59, brachte sie uns zurück. Heute sind Wilardy-Taschen wieder international begehrte Sammelobjekte und beliebt bei Filmstars und Prominenten, die sie mit einem Augenzwinkern tragen. Chanel, Calvin Klein und Helmut Lang haben eigene zeitgenössische Lucite-Taschen entworfen, aber sie kommen nicht an den exzentrischen Charme der Wilardy-Modelle aus den 1950ern heran. Die Originale zeichnen sich durch ihre klaren und sinnlich-gerundeten Formen aus. Die Kombination maskuliner und femininer Gestaltungsaspekte, monumentaler und herrlich kitschiger Elemente schuf eine unverwechselbare Sphäre des Luxus und der Eleganz.