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Taschen Wissen
Die Kulttasche PDF

Jedes Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts hatte seine eigene Kult-Tasche. Einige Modelle wer­den bereits als Kult-Tasche geboren, andere verdienen sich dieses Privileg erst später durch die Berühmtheiten, die sich mit ihnen schmücken. In den 1950er Jahren war es Grace Kelly, die diesen Trend in Gang setzte. Im darauf folgenden Jahr­zehnt ging die Auszeichnung an Paco Rabannes Schultertasche aus Metallpailletten, die buchstäb­lich »swingte«. In den 1970ern kam durch die Modelle von Gucci und Fendi mit ihren Bonbon-, Schokoladen- oder Metall-Logos die mit Mono­gramm versehene Status-Tasche zu besonderen Ehren. In den 1980ern teilten sich das mondäne Chanel-Modell und der vernünftig-funktionale Prada-Rucksack das Privileg der Kult-Tasche. In

den 1990ern konnte sich jeweils nur ein Modell pro Jahr durchset­zen. Es heißt, Design sei stets zum Jahrhundertwechsel besonders experimentierfreudig. Dies traf schon auf die Handtasche der 1790er zu, die sich von der Jackentasche und vom derben Arbeitsbeu­tel zum Retikül entwickelte, und ebenso für die 1890er, als Handtaschen aus Leder, Perlen und Metallgliedern ebenso wie die Chatelaine um Kultstatus stritten.


Kurz vor dem Jahrtausendwechsel erreichte die besessene Nachfrage nach immer neuen Kult Taschen einen kritischen Höhepunkt: 1996 machten Kate Spades Mehrzwecktaschen das Rennen, 1998 die Fendi-Baguette und das Chanel-Modell 2005, 1999 die Prada Bowling-Tasche und der Leder-Rucksack von Luis Vuitton, 2000 schließ­lich das Luis-Vuitton-Etui Graffiti. 2001 stritten Sonia Rykiels Domino, John Gallianos Modell Trailer für Dior, die Hermes Birkin Bag und die Sattel­tasche von Balenciaga um den Thron.


Der harte Konkurrenz­kampf führte zu bizarren Kreatio­nen mit Griffen aus Büffelhörnern oder militärischen Elementen; zu Taschenkorpussen aus großen Türkissteinen, Hühnerfedern,

oder Bronze. Die Kult-Taschen von 2002 zeichnen sich durch ihre spektakulären Farben, Formen und Materialien aus. Fendis Modell Ostrik folgt der Form einer Auster, und Sonia Rykiels Leder­tasche sieht mit ihrem Faltenwurf wie ein fremdartiges Meereswesen aus. Im Kampf um den Kultstatus vermitteln die Modelle eine fast aggressive Ausstrahlung: So erinnert der Griff einer Gaultier-Tasche an einen Schlagstock, und Moschino entwirft eine Tasche aus militärischem Tarnstoff. Angesichts der Ungewissheit des neuen Jahrtausends scheint die Damenwelt bei der ihr vertrauten Tasche Sicherheit zu suchen.

 
Taschen fürs Büro PDF


Voll gepackt bis an den Rand und tagtägliche Begleiterin zur Arbeit, kann nichts eine Frau so sehr be- oder entlasten wie ihre Aktentasche. Von der berühmten New Yorker Designerin Donna Karan stammt die Anekdote, ihre Tasche sei so schwer gewesen, dass ihr Fahrer sie transportieren musste, während sie zum Büro joggte. Die wuchtige Aktentasche einer Managerin hat nichts mehr mit der zierlichen Handarbeitstasche einer viktorianischen Lady gemein. Die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz schuf den Bedarf nach einer Tasche fürs Büro, deren Größe proportional zur Verantwortung im Beruf zunahm.

Die lederne Schultertasche verdanken wir den frühen Feministinnen. Nach dem Vorbild von Postsäcken und Jagdtaschen gestaltet, trugen die Suffragetten robuste, rechteckige Amerikanische Ledertaschen quer über der Schulter, um die Hände zur Verteilung ihrer Pamphlete frei zu haben. In den 1920er und 1930er Jahren besaß die modische Sekretärin eine schmale rechteckige Mappe, die an die Dokumentenmappe des 18. Jahrhunderts erinnerte. Mit dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Arbeitswelt — die Frauen fuhren Fahrrad und übernahmen auch Män­nerarbeit. Als Folge kamen große Schultertaschen aus Kunststoff oder Segeltuch in Mode — die Vorläufer der heutigen Mehrzweck-Taschen.


Die Design-Pionierin Bonnie Cashin kreierte bereits 1955 einen geräumigen Stoffbeutel mit Schulterriemen, doch erst in den frühen 1970er Jahren setzte sich diese Taschenform durch.

Ob ein L. L. Bean-Stoffbeutel, ein LeSportsac Modell aus Nylon oder eine edle Coach-Kreation aus buntem Leder — für jede Frau gab es das passende Modell für die Arbeit. Und ganz im Sinne der Feministinnen war die Tasche nun nicht länger reines Modeaccessoire, sondern wurde zu einem praktischen Gebrauchsgegenstand.


Im Vergleich zu den schmalen, eleganten Modellen der 1980er Jahre wirkte der Annie-Hall-Look mit den lässig-unförmigen Schulterbeuteln ein wenig angestaubt. Der Bedarf nach funktionalen Taschen­modellen wuchs, und Donna Karan war die Erste, die die so genannte Satelliten-Tasche auf den Markt brachte: eine große Tasche mit einem dazugehörigen Täschchen für die Mittagspause oder den Abend. Im Zuge der Fitness-Welle in den 1980ern wurde das Prinzip zweckorientierter Gestaltung zur Mode erhoben: Rucksack und Sportschuhe avancierten zum anerkannten Outfit der Karrierefrau. Pradas schwarzer Nylon-Rucksack aus dem Jahr 1985 war die zwanglose Alternative zum schweren Aktenkoffer und ver­fügte über ausreichend Platz für die benötigten Arbeitsutensilien. Donna Karan, Chanel und Hermes entwickelten diesen neuen Stil weiter.


Die berufstätige Frau der 1990er Jahre experimentierte mit androgynen und futuristischen Stilen: der Kurier- und Hüfttasche, der Gürteltasche und unterschiedlichen Versionen von Bonnie Cashins Body Bag. Durchgesetzt hat sich vor allem die Kombination von »Mutterschiff und Beiboot« oder der »Tasche-in-der-Tasche« als eine überaus multifunktionale Gestaltungs­form. So ist Lambertson'I'ruex'Ledertasche groß genug für den Laptop sowie eine Abendtasche, und Ferragamo versah seine Modelle im Jahre 2001 mit einem gesonderten Reißverschlussfach für ein extra Paar Schuhe und eine schmale Etui-Tasche. Derart geräumige Modelle sind deshalb so beliebt fürs Büro, weil sie uns die Illusion geben, mit dem darin verstauten eleganten Täschchen jederzeit dem grauen Arbeitsalltag entrinnen zu können- sogar am Montag.

 
KLEINE KUNSTWERKE: HANDTASCHENBESCHLÄGE PDF

KLEINE KUNSTWERKE: HANDTASCHENBESCHLÄGE

Es sind oftmals die Beschläge – Taschenbügel und Schließen –, die die Handtasche zu einem wertvollen Kunstwerk und Schmuck­stück machen. Im 15. Jahrhundert waren Handta­schen mit aufwändigen Metallbeschlägen religiösen Festen oder der Jagd vorbehalten. Eine samtene Jagdtasche mit einem prächtigen Eisenbügel war Ausdruck von Reichtum und Macht. Ende des 18. Jahrhunderts – als der Retikül mit seinen neo­klassizistischen Elementen in Mode kam – folg­ten reich verzierte Bügel aus Gold, Silber oder Emaille. In den 1820er und 1830er Jahren waren Kunsthandwerk und Form­gebung durch griechisch-römische Vorbilder beeinflusst. Man trug die mit klassizistisch verzierten Bügeln ausgestatteten Taschen an Kettenriemen, die an Schwanenhälsen aufgehängt waren.

Im 19. Jahrhundert wich das »goldene« Zeitalter Stahl und Silber. Stahlbügel fanden bei Trauertäschchen Verwendung und die Rahmen der Chatelaines, die von den Taillen der Damen baumelten, waren aus massivem Sil­ber. Zwischen 1900 und 1939 wurden die Beschläge immer aufwändiger. Es war möglicherweise die Sehnsucht nach feudalem, von Revolution und Modernität bedrohtem Pomp, die die Sehnsucht nach Diademen und Glitzer weckte. Es gab aus Elfenbein geschnitzte Bügel, die mit Hal edelsteinen besetzt waren, Strasssteine und fantasievolles Jugendstil-Glas von Lalique. Im Jahre 1932 definierte der Juwelier Cartier mit seinen Taschenbeschlägen, die mit Dia­manten, Lapislazuli und Goldskarabäen übersät waren, die Standards des dekaden­ten Art &co neu. Nachahmer ersetzten die wertvollen Materialien allerdings durch Imitationen.

Nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkrieges war der Hunger nach femininem Dekor groß.


Im Oktober 1948 erklärte die britische Ausgabe der Vogue, dass es »keine Entschuldigung mehr dafür gebe, noch länger auf Accessoires zu verzichten«. Die Designer reagierten prompt mit auf 

wändig , gestalteten Beschlägen aus bezahl­bai en Kunststoffen. Nach Jahrzehnten der Massenproduktion sind die Designer heute zu individuelleren Lösungen zurückge­kehrt. Tiermotive z. B. sind bei den Nobelmarken sehr beliebt: Was bei Chanel der,Adler im Flug, ist bei Fendi und bei Valentino die Schlange Etwa eine leise Anspielung darauf, dass die Welt der Handtaschen durch harten Konkurrenzkampf und häufige Firmenaufkäufe bestimmt wird?

 
DIE TASCHE ALS KLEIDUNGSSTÜCK PDF

DIE TASCHE ALS KLEIDUNGSSTÜCK

Ein an einem kleinen Handgriff balanciertes Täschchen leiht seiner Trägerin eine Aura unnahbarer Eleganz und wirkt wie das Tragen von Handschuhen oder einem Fächer immer ein wenig altmodisch-damenhaft.

Hingegen wurden Schultertaschen und Rucksäcke,im Lauf der Geschichte größtenteils von Bauern und Revolutionären benutzt und vielleicht gerade deswegen wieder zu Favoriten der Avantgarde. Derart körpe getragene Taschen laden zu radikalen Designexperimenten ein. So faltete Issey Miyake Nylongewebe einem zarten Rucksack, der sich auf den Schulte blättern wie kleine Flügel bewegt.

Yohji Yamamotos Idee, einen paillettenbestickten Beutel in den Rücken einer schwarzen Abendrobe zuarbeiten, setzte endgültig der Auffassung ein Ende, ein Rucksack androgyn und unmodisch sei. Doch trotz dieser Versuche, den Rucksack oder die Hüfttasche bewusst feminin zu gestalten, gelten solche Modelle meist als reiner Sportartikel oder zumindest als Unisex-Accessoire. Erst die Verwendung von Mikrofaser, Klettband oder Neopren haben der körpernah getragenen Tasche inter 

essante und zum Teil futuristische For­men verliehen. Wie bei modernen Laufschuhen, verarbeitete Miu Miu für ihre Rucksäcke und Kuriertaschen aus dem Jahr 1999 Netzgewebe aus Nylon, Vinyl und Textilien aus dem Sportbereich, um damit auch dem lässigsten Girl-Look einen Hauch von

Zweckmäßigkeit zu verleihen.


Jean Charles de Castelbajac erfand Taschenmäntel mit Dutzenden von geräumigen Innentaschen und die so genannten Bubble Bags, die mit der Kleidung fest vernäht sind. »Bei meinen Entwürfen

denke ich wie ein Architekt«, verrät Castelbajac. »Der Körper entspricht dem Zimmer, und die Taschen sind die Schränke«

Die eng am Körper getragene Tasche ist perfekt auf das Großstadtleben zugeschnitten. So eig 

net sich die Kuriertasche mit ihren cleveren Reißverschlussfächern – lässig über

die Schulter gestreift oder auf der Hüfte getragen – perfekt für die U-Bahn Fahrt ins Büro. Die körpernahe Tasche spielt aber auch mit defensiven Assoziationen: so die aktuelle Handgelenktasche Street Chic von Dior. Die vielen Fächer sowie die Details aus Canvas sind klassische Elemente des Munitionsgürtels und der Armeetasche. Der Schulterbeutel als Ersatz-Zuhause oder fest mit der Kleidung vernähte Taschen als zusätzlicher Körperteil: Weniger durchgestaltet, maskuli­ner und zeitgemäßer als die klassisch geformte Handtasche, ist die körper­nah getragene Tasche weit mehr als nur ein dekoratives Accessoire.

 
Handtaschen aus Metallgliedern PDF


Kaum vorstellbar, dass aus demselben Material, aus dem Ritterrüstungen gefertigt den, auch geschmeidige Strukturen entstehen können: fließende Linien aus dem sprödest aller Werkstoffe; zarter Wäsche-Look aus eine Material, so hart wie Nägel. Schon im frühen 18. Jahrhundert hergestellt und mit wertvollen Edelsteinen verziert, kamen Handtaschen aus Metallgliedern in Form von kleinen Münzbeutelchen Ende des 19. Jahrhunderts erneut in Mode, als das Mittelalter wieder »in« war. Bis ins 20. Jahrhundert mussten Metallglieder von Hand ver­bunden werden, was die Taschen zu einer teuren Rarität machte. Erst als sich 1908 A. C. Pratt die erste Maschine zur Herstellung eines Metallnetzge­webes patentieren ließ, wurden die Taschen zum bezahlbaren Luxus.

Mit handziselierten Silberbeschlägen, eleganten For­men und cleverem Marke­ting, führte die US-Firma Whiting and Davis den

Markt an. Indem sie mehrere Designer verpflichtete (unter anderem Paul Poiret und Elsa Schiaparelli) und ihre Entwürfe stets aktualisierte, konnte die Firma ihre Taschen fast ein Jahrhundert lang am Markt etablieren.

In den 1920ern wurden verschiedene, Metalltäschchen mit Siebdruckverzierungen oder ausgefallenen Zack-Mustern zum unverzichtbaren Accessoire der modischen Dame

Die fließenden Linien passten perfekt zu den flatternden Stoffen der Abendkleider. Die Welt-

wirtschaftskrise überbrückte die Firma mit kostengünstigeren Rohstoffen wie Kupfer

Nach einer kurzen Durststrecke während des Zweiten Weltkrieges kam die Tasche aus Metall

gliedern in den 1950ern erneut, in Mode.

Die berühmte Schauspielerin Ingrid Bergman war als Jeanne d'Arc mit einer Whiting­and-Davis-Tasche ausgestattet, und Jane Russell glänzte in dem Film Macao aus dem Jahr 1951 in einem gut zehn Kilo schweren Cocktailkleid aus vergolde­ten Metallgliedern. In den 1970ern lebte das Material in rückenfreien Tops und dazu passenden Discotäschchen erneut auf. Obwohl bis heute äußerst beliebt, sind die aktuellen Modelle aus Metall mit den außergewöhnlichen Abendtaschen der 1920er, die wie zarte Schmetterlingsflügel schillerten, nicht mehr zu vergleichen.