Elsa Schiaparelli (1890-1973) war eine der einflussreichsten
Designerinnen des 20. Jahrhunderts und bekannt für ausgefallene und witzige,
von moderner und surrealistischer Kunst inspirierte Kleidung, Ihre Handtaschen
und Accessoires bestanden oft aus neuartigen synthetischen Materialien und
fielen aufgrund ihrer Form und Farbe schnell auf. So schuf sie in den
1930er-Jahren z. B. Taschen in Form von Schnecken oder Ballons aus
Zeitungspapier oder Zellophan. Eine ausgefallene Handtasche, an deren
Gestaltung Salvador Dali mitgewirkt hatte, stellte ein Telefon dar. Viele ihrer
Taschen waren jedoch feminin und klassisch-elegant und passten gut zu
konventioneller Garderobe.
Schiaparelli schuf auch thematische Serien. Die Taschen
ihrer Kollektion »Music« von 1937 spielten beim Öffnen eine Melodie, während
die der Serie »Pagan« mit Blättern aus Velours verziert
waren. Bis in die 1950er-Jahre gestaltete sie Handtaschen
und bemühte sich stets, mit ihren neuartigen und praktischen Entwürfen für die
moderne Frau im Gespräch zu bleiben,
In den 1920er- und 1930er-Jahren übten neue Kunststoffe eine
große Faszination aus und boten den Schöpfern von Handtaschen, Schmuck und
anderen Accessoires nie gekannte Gestaltungsmöglichkeiten. Bakelit heißt die Kunststoffart,
die Dr Leo Beakeland sich 1907 patentieren ließ. Zunächst als elektrischer
Isolationsstoff verwendet, wurde es zu Recht bald als »Material für 1000
Zwecke« bezeichnet. Bakelit war nicht nur bunt, sondern ließ sich auch leicht
in komplizierte und höchst dekorative Formen bringen.
Die hier vorgestellte Art-deco-Tasche zeigt die vielen
Möglichkeiten, die Bakelit für die Handtaschengestaltung bot. In die cremegelbe
Fläche wurden rote, grüne und schwarze Bakelit stücke eingelegt. Auch Henkel
und Verschluss sind aus Bakelit.
Die witzigen, leicht surrealen Taschen von Anne Marie,
Paris, sind etwas Besonderes und heute beliebte Sammlerstücke, Das
Formenspektrum reicht von Klavieren über Telefone und Uhren bis zu Puderquasten.
Auch auf die funktionalen Aspekte wurde großer Wert gelegt; die Elemente zum
Öffnen und Schießen waren häufig fester Bestandteil des Designthemas, z. B. der
»Rolldeckek bei einer Tasche in Schreibtischform, Anne Marie verwendete
neuartige, spielerisch wirkende Werkstoffe wie z. B, Lucite, oft aber auch
schwarzes Velours, das den Taschen eine glamouröse Note verlieh.
Ein hervorragendes Beispiel für die Arbeit von Anne Marie
ist eine Tasche aus den 1940er-Jahren in Mandolinenform mit »Saiten« und einem
Opernprogramm im Inneren. Oder eine Tasche aus den 1940erJahren in Form eines
Eiskübels mit »Eis« aus Lucite und einer Flasche Reims-Champagner, die das
Pariser Hotel Ritz besonderen Gästen als Weihnachtsgeschenk überreichte.
Fre-Mor war in den 1940er-Jahren für seine Kollektion von
Taschen in Perlstickerei bekannt. Sie wurden in verschiedenen Formen gefertigt,
z. B. rund, rechteckig oder sechseckig, mit Rahmen aus vergoldetem Metall und
seidenem Futter,
Heute zahlen Sammler für runde und rechteckige Taschen
Höchstpreise, Begehrt sind auch Taschen mit raffiniert geformten Rahmen oder
mit Bakeliteinsätzen; beides erhöht den Wert. Begehrt sind ferner Taschen mit
Perlen aus dem irisierenden »Carnivak-Gas. Taschen dieser Art wurden auch von
Firmen wie z. B. DuBonnette gefertigt.
Fre-Mor P astics fusionierte später mit Jewel Plastic Corp.
zu Llewellyn, Inc. Die Firma Llewelyn wurde vor allem durch ihre in den
1950erJahren hergestellten Handtaschen aus Lucite bekannt.
Im Zuge der Arts-and-Crafts-Bewegung in England setzte um
die Wende zum 20. Jahrhundert eine Rückbesinnung auf traditionelle Handwerkskunst
ein. Schlichte Taschen aus handgeprägtem Leder wurden immer beliebter, ein
Trend, der bis in die Zeit des Jugendstils anhielt. Die Taschen wurden in
traditionellen Formen aus englischem oder spanischem Leder gefertigt. Oft
hatten sie eine weit umschließende Klappe, die viel Raum für ornamentale
Verzierungen bot — meist natürliche Formen wie gerollte Blätter, Eicheln und
stilisierte Blumen entsprechend dem Geschmack der Zeit.
In bewusstem Gegensatz zur Massenproduktion und
Mechanisierung der viktorianischen Zeit wurden die Taschen in Werkstätten, oft
auf dem Lande, manuell hhergestellt. In den USA entstanden viele in den
Roycroft Shops in East Aurora, New York, die Leder im Stil William Morris'
verarbeiteten, Auch Frederick Kranz und
H. E. Kaser fertigten handgeprägte Taschen. Der Stil kam in
den 1930er-,Jahren weitgehend
aus der Mode, doch werden bis heute Stücke hergestellt
Der Name Whiting & Davis ist gleichbedeutend mit den
hochwertigen Taschen aus Metallnetz, die die Firma seit ihrer-Gründung 1876 in
Plainville, Massachusetts, bis in die 1940er-Jahre und länger produzierte.
Vor 1910 wurde das Netz aus feinsten Silberdrahtfäden
manuell hergestellt, ab 1920 dann maschinell. Die ersten Taschen waren
überwiegend schlicht, doch gab es auch luxuriöse Stücke mit reich verzierten,
edelsteinbesetzten Verschlüssen und manchmal sogar winzigen, in den Rahmen
einmontierten Uhren. In den 1920er-Jahren wurden die Farben leuchtender, die
Muster auffälliger und stärker geometrisch. Die preiswerteren Serien bestanden
nicht immer aus farbigem Metall,
sondern häufig aus bedruckten Metallnetzen. Einige der
bezauberndsten Taschen wurden in den 1930er-Jahren von so bekannten Couturiers
wie Elsa Schiaparelli und Paul Poiret entworfen.
Als die Taschen aus Metallnetz Mitte des
20. Jahrhunderts aus der Mode kamen, stellten Whiting &
Davis verstärkt Schmuck und andere Produkte aus diesem Material her Erst
während
des Disko-Fiebers in den 1970er-Jahren erfreuten sich die
Taschen wieder größerer Beliebtheit.
Stahlbrillanten oder -perlen fanden schon im späten 18.
Jahrhundert Verwendung — hierfür wurde ein Stahlstab in dünne Scheiben
geschnitten, Um 1840 gab es solche Perlen bereits in verschiedenen Formen und
mit Facetten, in denen das Licht spielte, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts
auch in verschiedenen Farben.
Die schönsten Stahlperlentaschen wurden in Frankreich auf
Handwebstühlen gefertigt und mit Seide gefüttert. Französische Taschen rosten
auch nicht so leicht wie amerikanische — rostige Perlen mindern den Wert
erheblich. Gut erhaltene Taschen sind relativ selten, denn oft zogen die Perlen
durch ihr Gewicht die Fäden des Trägergewebes auseinander, Stahlperlen wurden
auch auf Wildleder-, Samt-
und Häkeltaschen genäht und für Fransen verwendet.
Unter den älteren Taschen gehören solche in Perlstickerei zu
den begehrtesten und oft auch teuersten Sammelstücken — entsprechend ihrer
aufwändigen Herstellung und ihrer Empfindlichkeit. Leuchtend bunt und kunstvoll
gearbeitet, eignen sie sich oft besser als Schaustücke denn zum tatsächlichen
Gebrauch, doch ihrer Attraktivität tut dies keinen Abbruch.
Taschen in Perlstickerei waren schon seit Beginn des 19,
Jahrhunderts beliebt. Zwischen 1910 und 1930 verwendete man venezianische oder
böhmische Perlen. Erstere sind sehr klein, haben einen leicht irisierenden
Glanz und reine Farben, die nicht verblassen, während letztere etwas größer und
gröber sind und mit der Zeit an Farbe verlieren. Verschluss und Henkel bestehen
vorwiegend aus Metall und sind oft mit Glas oder Halbedelsteinen eingelegt. Das
Seidenfutter ist selten so gut erhalten wie das Äußere. Wird sie stilgetreu
erneuert, kann das den Wert der Tasche erhöhen. Achten Sie beim Kauf darauf, ob
das Design zu den verwendeten Perlen passt.
Seit Tausenden von Jahren flicht man überall in der Welt
Körbe aus Naturmaterialien wie Stroh, Holz oder Blättern. Die ältesten
erhaltenen geflochtenen Körbe stammen aus Ägypten und sollen über 10 000 Jahre
alt sein.
Im 19. Jahrhundert wurden in den USA gefochtene Körbe in
großer Vielfalt hergestellt. Der praktische Zweck — man sammelte darin z. B.
Eier oder Blumen — machte eine bestimmte Farm erforderlich. Gegen Ende des
Jahrhunderts begann man, Körbe als Souvenirs für Touristen herzustellen, wie z.
B. die Nantucket-Körbe, die zu einem der typischsten Produkte dieser Insel
geworden sind. Diese Körbe sind wie traditionelle
Fässer geformt und manchmal mit geschnitzten Muschel- oder
Elfenbeinplättchen verziert. Noch heute werden sie von Hand auf Nantucket
gefertigt. Aus anderen Gegenden der Vereinigten
Staaten kommen Körbe, deren Muster aufgemalt oder mit
andersfarbigem Stroh eingeflochten sind.
Nähen galt früher bei vornehmen jungen Damen als besonders
kultivierte Beschäftigung, während es für weniger wohlhabende Frauen eine wirtschaftliche
Notwendigkeit darstellte, Einzeln gekaufte Rahmen und Henkel für Taschen konnte
man selbst kreativ verzieren. Die Taschen konnten auch passend zur
Lieblingskleidung gefertigt werden und waren immer Unikate. Selbstgemachte
Beutel zur Aufbewahrung von Handarbeiten
sind heute wohl am leichtesten zu finden. Unter Sammlern
besonders mehrt sind figürliche und Landschaftsszenen. Diese sind umso wertvoller,
je weniger das empfindliche Material beschädigt oder abgenutzt ist. Im 20.
Jahrhundert, als Unikate von Designern sehr teuer waren, war ebenfalls üblich,
Taschen selbst herzustellen. Im Zweiten Weltkrieg wurden Taschen aus Stoffresten
gefertigt und mit Perlen und Kostümschmuck verziert. Während der
Hippie-Bewegung der 1960er- und 1970er--Jahre wurden gekaufte Taschen mit
Nadelarbeit, Aufklebern oder Decoupage verziert. Bis heute ist diese Lust am
individuellen Gestalten ungebrochen,
Im späten 18. Jahrhundert wurde die miser's purse (engl. für
»Geizhalsbeutel«), der erste von Männern und Frauen verwendete Beutel, populär.
In Anlehnung an die mittelalterliche Tradition, Münzen in einem Strumpf
aufzubewahren, diente dieser Beutel zur Verwahrung von Wertgegenständen, Der
Name geht auf den versteckten Schlitz in der Mitte des Beutels zurück, der
seinen Inhalt nur zögerlich preisgab.
Diese Münzbeutel waren gewöhnlich lang, flach und an den
Kanten versiegelt. Schieberinge fassten sie in der Mitte zusammen, so dass sich
an beiden Enden ein Beutel bildete. Durch Auseinanderschieben der Ringe wurden
die Münzen in den Beuteln, fixiert. Solche Geldbörsen gab es auch mit
unterschiedlich geformten Enden, die wahrscheinlich für zwei verschiedene
Sorten Münzen gedacht waren. Die Börsen waren oft aus Seidenfäden gehäkelt oder
gestrickt und mit Stahlperlen verziert.
Ende des 19. Jahrhunderts hatten Lederbörsen die miser's
purse weitgehend abgelöst, doch Muster für ihre Anfertigung wurden in
Frauenzeitschriften noch bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein abgedruckt.
Seit dem 18. Jahrhundert, als Taschen wichtige modische
Accessoires wurden, sind Figuren und Tiere bevorzugte Motive. Die Fertigung von
Stickmustertüchern und anderen Ziertextilien wurde zu einer beliebten Feizeitbeschäftigung,
und Handarbeitstaschen erhielten kunstvollen figürlichen Schmuck. Auch Taschen
in Perlstickerei verzierte man mit raffinierten Figuren und Tieren; diese sind
heute für Sammler noch attraktiver als solche mit floralen oder abstrakten Pelzstickereien.
Zwischen 1910 und 1930 stellte man gern Blumen,
Chinoiserien, orientalische Teppichmotive,
romantische mittelalterliche Burgen und venezianische Szenen
dar Die Motive wurden oft populären Drucken oder berühmten
Tapisserien entlehnt. Die Herstellung solcher Taschen war sehr zeitintensiv.
Neue Taschen waren daher sehr teuer. Auch heute erzielen sie noch hohe Preise,
vorausgesetzt, sie sind gut erhalten.
Im 17. Jahrhundert bestand die Kleidung der, Frauen aus
weiten Röcken,
in deren Falten sie unauffällig Dinge wie Riechsalz,
Spiegel, Fächer und sogar kleine Flaschen mit Alkohol bei sich tragen konnten.
Dazu banden sie flache Stoffbeutel, meist birnenförmig oder rechteckig mit
abgerundeten Ecken, unter den Unterröcken auf ihren Hüften fest. Durch Schlitze
im Rockstoff konnten sie in ihre Taschen greifen.
Erst in den 1790er-Jahren ließ die sich radikal ändernde
Mode voluminöse Rocktaschen nicht mehr zu. Das beliebte neue Empirekleid war zu
leicht und schlicht, als dass man seine Habseligkeiten darin verbergen konnte.
Die Frauen wollten jedoch nicht auf die Annehmlichkeit verzichten, ihre
wichtigsten Dinge bei sich zu tragen. Man löste das Problem in dem man die
Taschen unter dem Rock hervorholte und in der Hand trug. Dies war die
Geburtsstunde der modernen Handtasche